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Freitag, 3. April · 20:00 - 22:00


COLORBOX

Diese Konzert musste wegen Corona abgesagt werden und findet 2021 statt

Virtuose Klänge im Wechselbad der Gefühle

Corona Interview PR Musiker PR Media

Corona Interview

Der Auftritt von Volker Giesek und seiner Formation Colorbox war für die erste Aprilwoche vorgesehen. Doch dann kam die Corona-Krise, wie alle anderen Veranstaltungen musste auch dieses Konzert abgesagt werden. Peter B. Heim sprach mit dem Jazz-Musiker und Komponisten über Auswirkungen und die Möglichkeiten eines Musikers in Zeiten der Pandemie:

Peter B. Heim: Herr Giesek, das öffentliche und insbesondere auch das kulturelle Leben sind seit Wochen lahm gelegt, es gibt Ausgangsbeschränkungen, Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden. Wie sehr schränkt das Sie als Musiker ein?
Volker Giesek: Als Musiker hat man ja glücklicherweise immer die Möglichkeit zu arbeiten. Es gibt ja immer etwas zu schreiben, zu komponieren oder zu üben. Die Frage ist natürlich in so einer Situation: Wie sieht es mit der Motivation aus? Und das war tatsächlich bei mir in der ersten Zeit, wo man so gar keine Perspektive hatte, alles ein bisschen schwierig – und hat den Stecker gezogen. Aber es sind dann doch ein paar Sachen entstanden, ich hatte wieder Motivation zu üben, YouTube-Videos zu checken, was zu komponieren, mich also wieder mit Musik zu beschäftigen. Allerdings muss ich dazusagen, dass ich ja auch an der Berufsfachschule für Pop und Jazz in München tätig bin, und da hat natürlich in den Wochen vor den Osterferien die Hütte gebrannt, denn wir haben innerhalb von einer Woche den Unterricht auf Online-Unterricht umgestellt. Das war Wahnsinn. Aber wir haben es ganz gut hingekriegt, und es hat funktioniert.

Wie darf ich mir das vorstellen: Musik-Unterricht online?
Das mussten wir selber erst einmal rausfinden, wie sich das anfühlt und wie sich das gestaltet. Es gibt ein schönes Programm von Google, das heißt Google Classroom, das haben wir schon seit Anfang des Schuljahres am Start. Da kann man virtuelle Klassen einrichten, man kann pdf-Dokumente, Audio- und Video-Dateien einstellen und Aufgaben stellen, Feedback geben zu den Aufgaben. Es ist also wirklich wie ein virtuelles Klassenzimmer. Das ist natürlich das Herzstück des Online-Unterrichts. Ich habe allerdings auch für Musik-Kurse Tutorials aufgebaut, mit entsprechender Software, also quasi vorgefertigte Lerneinheiten vorgestellt, die sich dann die Schüler anhören können, wo auch immer sie gerade sind. Das ist die eine Möglichkeit. Die andere ist, dass man sich über einen Online-Chat unterhält. Für die Harmonielehre-Gruppen zum Beispiel habe ich eine Möglichkeit gefunden, auf der linken Seite vom Bildschirm mein i-Pad einzubinden, als digitale Tafel, und das funktioniert gut. Theoretische Inhalte kann man also online gut vermitteln.

Wie sieht das dann aber aus, wenn mit dem Instrument gearbeitet werden soll?
Wo es schwierig wird bei einem Video-Call, das ist die Gestaltung des Instrumental-Unterrichts. Weil es natürlich mit Latenz verbunden ist. Ich kann nicht einfach einzählen, das kommt eineinhalb Sekunden später beim Schüler an. Ich kann nicht mitspielen, wie sonst immer, was den Schülern total Spaß macht – und mir übrigens auch. Und die Sound-Qualität ist natürlich erschütternd. Man hört keine Details wie Dynamik oder Artikulation, das klingt alles furchtbar. Bei aller Offenheit für die Digitalisierung ist es immer noch so, dass Instrumental-Unterricht am besten Präsenz-Unterricht ist.

Können Sie finanzielle Einbußen, wie sie ja sicher auch durch ausgefallene Konzerte entstanden sind und noch entstehen, etwas auffangen?
Ich habe ja das große Glück, an der Berufsfachschule angestellt zu sein, da kommt also das Gehalt erst mal weiterhin. Aber im offenen Unterricht, den wir Musiker ja auch anbieten, kann es durchaus sein, dass Leute nicht auf Online-Unterricht umstellen können oder mögen, die sich dann abmelden oder wo der Vertrag stillgelegt wird. Aber die Konzerte, die man spielt, die sind jetzt einfach weg, das ist klar.

Und wie sieht das jetzt mit Projekten mit anderen Musikern aus, für Ihre Arbeit zum Beispiel mit Colorbox?
Ja, ich hatte Aufnahmen mit Colorbox geplant, schon Stücke ausgesucht, eine Sängerin gefragt, ob sie Lust hat, uns im Studio zu ergänzen. Und nachdem sie ja gesagt hatte, da kam dann die Corona-Krise. Sodass die Planung erst mal auf Eis gelegt wurde. Man muss jetzt einfach die Geduld haben, das aufzuschieben. Aber es ist schon klar, jetzt große Projekte zu realisieren, CDs aufzunehmen, das geht nicht. Im Internet zusammen Musik zu machen, das geht auch nicht, wegen der Latenz. Man kann natürlich Videos machen, wie das viele Kollegen jetzt probieren. Also Audios separat aufnehmen und dann zum Playback mimen. Aber in unserem Genre ist das unmöglich, also im Jazz kann ich mir das nicht vorstellen.

Leicht nachvollziehbar. Jazz lebt ja vom Moment, von der Inspiration, von der physischen Gegenwart. Wie sehr fehlt das jetzt?
Das fehlt schon sehr, besonders wenn man mit Band unterwegs ist. Es muss ja nicht unbedingt Jazz sein, aber Band heißt wie beim Jazz auf jeden Fall Interaktion. Das fehlt sehr, das muss ich sagen. Das ist ja so in der DNA drin, dass man das auch braucht. Der Mensch ist eh ein soziales Wesen, und es fehlt natürlich auch, sich einfach mal mit Freunden zu treffen, mal zusammen ins Kino zu gehen, all diese Sachen. Aber als Musiker, da bin ich doppelt betroffen. Weil es um Kommunikation geht. Also ich warte. Ich bin schon froh, wenn es weitergeht.

Sovie-Impresario Bodo Gsedl hat angedeutet, dass er das Konzert mit Ihnen und Colorbox gerne im nächsten Jahr nachholen würde. Ist das für Sie eine Option?
Ja, natürlich. Da müssen wir einfach einen Termin finden, wir werden schauen, wie sich die Sache weiterentwickelt, und werden uns zusammenrufen. Übrigens ein feiner Zug von Sovie, dass eine Ausfall-Gage gezahlt wurde, die von Bodo selber ins Spiel gebracht wurde. Das will ich auch an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich sagen, denn das ist nicht selbstverständlich. Das hat uns sehr geholfen. Auch meine Jungs haben sich sehr darüber gefreut.


Besetzung:
Márcio Tubino, Saxophon, Flöte
Volker Giesek, Piano, Komposition
Ciro Trindade, Bass
Andreas Keller, Drums, Percussion


Corona Interview

Weltumspannend und als Wechselbad der Gefühle. So werden der Jazz von COLORBOX und somit auch die Kompositionen von „Mastermind“ Volker Giesek charakterisiert. Was noch leichter nachvollziehbar wird, wenn man bedenkt, dass der Pianist, Dozent und Keyboarder der Münchener Kult-Band Ecco DiLorenzo auch schon für und am Theater und mit verschiedensten Musikern gearbeitet hat. Und insbesondere auch seine Mitstreiter dafür sorgen, dass dieser Jazz von Blues, Gospel oder New Jazz ebenso inspiriert ist wie durch afrikanische oder lateinamerikanische Einflüsse, hier ebenso Free-Jazz-Zitate und meditative oder melodische Elemente für kräftige Farben sorgen. Also Jazz von einer Vielfarbigkeit präsentiert wird, wie sie selten zu hören ist.


Mal reinhören?

Details

Datum:
Freitag, 3. April
Zeit:
20:00 - 22:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Festsaal Wasserschloss
Telefon:
0 80 84 967 04 31
Website:
https://sovie-ev.de